Revision der Quellenbesteuerung - die Steuersicht

23 September 2020

Das Bundesgesetz über die Revision der Quellenbesteuerung des Erwerbseinkommens wurde von der Bundesversammlung am 16. Dezember 2016 beschlossen und tritt per 1. Januar 2021 in Kraft. Am 12. Juni 2019 hat die eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) das Kreisschreiben Nr. 45 über die Quellenbesteuerung des Erwerbseinkommens von Arbeitnehmern veröffentlicht, welches umfassende Ausführungen und detaillierte Anhänge enthält.

Die Reform bezweckt den Abbau von Ungleichbehandlungen zwischen quellenbesteuerten und ordentlich besteuerten Personen. Ausserdem wurden die Kantone verpflichtet, die Berechnung der Quellensteuern (QST) schweizweit zu vereinheitlichen.

Nachfolgend erfahren Sie mehr zu wichtigen Änderungen in der Quellenbesteuerung ab 1. Januar 2021:

Abrechnung mit dem anspruchsberechtigten Kanton

Die geschuldeten Quellensteuern muss der Schuldner der steuerbaren Leistung (SSL) direkt mit dem anspruchsberechtigen Kanton nach dessen Weisungen und Tarife abrechnen. Als anspruchsberechtigter Kanton gilt der Wohn- oder Wochenaufenthaltskanton der quellensteuerpflichtigen Person (qsP). Ist diese im Ausland ansässig und hat keinen Wochenaufenthaltsort in der Schweiz, ist der Kanton anspruchsberechtigt, in welchem der SSL seinen Sitz, seine tatsächliche Verwaltung oder seine Betriebsstätte hat. Bei Künstlern, Sportlern und Referenten ist wie bisher der Kanton anspruchsberechtigt, in welchem der Auftritt stattfindet. Es ist nicht mehr zulässig, sämtliche qsP im Sitzkanton des SSL abzurechnen.

Berechnungsmodelle

Die ESTV hat mit den Kantonen zusammen zwei Berechnungsmodelle ausgearbeitet und vereinheitlicht. Die Kantone Genf, Waadt, Fribourg, Wallis und Tessin wenden das Jahresmodell an, alle anderen das Monatsmodell. Bei der Berechnung der QST nach dem Monatsmodell gilt der Monat als Steuerperiode und es kann davon ausgegangen werden, dass in der Regel die monatlichen Bruttoeinkünfte dem satzbestimmenden Bruttolohn entsprechen. Dem Gegenüber werden beim Jahresmodell die monatlich ausbezahlten Bruttoeinkünfte nach dem Satz quellenbesteuert, welcher dem Jahreseinkommen der qsP entspricht.

Welche Leistungen in welchem Umfang steuerbar sind und welcher Tarifcode unter welchen Voraussetzungen angewendet wird umschreibt das Kreisschreiben im Detail.

Eine erhebliche Neuerung betrifft die Berechnung des satzbestimmenden Einkommens bei nicht monatlicher Auszahlung eines allfälligen 13. Monatslohnes im Monatsmodell. Der 13. Monatslohn gilt grundsätzlich als periodische Leistung, ist jedoch bei einem untermonatigen Ein- oder Austritt nur bezogen auf die Periode umzurechnen, für welche er bezahlt wird. Im Jahresmodell kann der 13. Monatslohn für die Ermittlung des satzbestimmenden Einkommens auf zwölf Monate verteilt werden. Dadurch wird eine Glättung des satzbestimmenden Einkommens erzielt, welche im Monatsmodell nicht erlaubt ist.

Nachträgliche ordentliche Veranlagung (NOV)

In der Schweiz ansässig qsP werden nachträglich im ordentlichen Verfahren veranlagt, wenn deren Bruttoeinkommen in einem Steuerjahr CHF 120'000 erreicht oder übersteigt, oder wenn sie über Einkünfte oder Vermögen verfügen, welche nicht der QST unterliegen. Der NOV unterliegen auch die Ehegatten dieser Personen, sofern sie mit ihnen in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben. Die NOV gilt bis zum Ende der Quellensteuerpflicht, selbst wenn das Bruttoeinkommen vorübergehend oder dauernd unter CHF 120'000 fällt oder die Ehe geschieden oder getrennt werden sollte.

Ausserdem haben in der Schweiz ansässige qsP die Möglichkeit, bis zum 31. März des Folgejahres einen Antrag auf NOV zu stellen. Der Antrag gilt auch für den Ehegatten des Antragstellers. Die NOV gilt in diesem Fall ebenfalls bis zum Ende der Quellensteuerpflicht. Ein gestellter Antrag kann nicht mehr zurückgezogen werden.

Im Ausland ansässige qsP können für jede Steuerperiode bis am 31. März des Folgejahres eine NOV beantragen, wenn der überwiegende Teil ihrer weltweiten Einkünfte in der Schweiz steuerbar sind (einschliesslich der Einkünfte des Ehegatten), ihre Situation mit derjenigen einer in der Schweiz wohnhaften Person vergleichbar ist oder eine NOV erforderlich ist, um Abzüge geltend zu machen, welche in einem Doppelbesteuerungsabkommen vorgesehen sind. Für jedes nachfolgende Jahr ist ein neuer Antrag einzureichen.

Im Gegensatz zur heutigen Rechtslage können Personen, welche keinen Antrag auf NOV stellen, ab 1. Januar 2021 keine zusätzlichen Abzüge mehr geltend machen, insbesondere im Zusammenhang mit Einzahlungen in die Säule 3a.

Wechsel von der Quellensteuer zur ordentlichen Besteuerung

Erlangt eine qsP die Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) oder heiratet eine Person, die im Besitz des Schweizer Bürgerrechts oder der Niederlassungsbewilligung ist, ist sie ab dem nachfolgenden Monat nicht mehr quellensteuerpflichtig und wird für die gesamte Steuerperiode ordentlich veranlagt. Die bereits bezahlten QST werden angerechnet.

Verwirkungsfrist

Die Frist zur Vornahme von Korrekturen des Quellensteuerabzugs wurde ebenso vereinheitlicht. Wurden Fehler bei der Festlegung des quellensteuerpflichtigen Bruttolohns oder bei der Tarifanwendung festgestellt, können die erforderlichen Korrekturen durch den SSL selber vorgenommen werden, sofern er diese bis am 31. März des Folgejahres der Steuerverwaltung übermitteln kann.

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